[Dieser Text wurde ursprünglich im Juni 2026 verfasst.]
Der 21. Juni ist der Geburtstag meiner Tochter. 1993 sahen wir zum ersten Mal am frühen Morgen einen Regenbogen.
Dieses Jahr wird es nicht so sein wie früher. Es wird ihr erster Geburtstag ohne sie sein. Meine Frau und ich tragen noch immer die Schwere ihres Todes im letzten August mit uns. Zuerst dachten wir daran, Verwandte zu einer Gedenkfeier einzuladen. Aber irgendwie fühlte sich das nicht richtig an. Trauer kann nicht immer dadurch gewürdigt werden, dass man Menschen um sich versammelt. Manchmal will sie nach außen getragen werden.
Wir hatten überlegt, Süßigkeiten an Kinder einer nahegelegenen staatlichen Schule zu verteilen. Da der 21. Juni aber auf einen Sonntag fällt, wäre die Schule geschlossen. Eine Verteilung am Montag erschien uns nicht so passend. Deshalb dachten wir an ein Waisenhaus.
Dort sind etwa sechzig Kinder, von der ersten bis zur zehnten Klasse. Sie würden alle am Sonntag da sein. Meine Frau wollte ihnen Kleider schenken. Sie hatte vor Kurzem in Gedenken an unsere Tochter eine kleine Nähwerkstatt in ihrem Haus eingerichtet. Da die Kinder unterschiedlichen Alters waren, nahm unsere Schneiderin Maß.
Als er zurückkam, meinte er, etwa 150 bis 160 Meter Stoff würden reichen. Meine Frau bestellte 800 Meter.
Die Schneiderin war überrascht. „Madam, 150 Meter reichen für je ein Kleid.“
Sie sagte: „Nein. Ich möchte ihnen jeweils fünf Kleider schenken.“
Es herrschte Stille.
Fünf .
Wir waren alle fassungslos. Sie sagte nur: „ Ich möchte, dass sie glücklich sind.“
Der Schneider meinte, es sei schwierig, das Projekt in so kurzer Zeit fertigzustellen. Es blieben nur noch sieben Tage. Meine Frau antwortete entschieden und wiederholte: „Ich möchte, dass die Kinder glücklich sind.“
Später am Abend dachte sie laut: „Das sind Schulkinder. Geben wir ihnen auch Schultaschen.“ Dann kamen Brotdosen. Dann Trinkflaschen. Dann Schokolade.
Ich schwieg größtenteils. Doch dieses Schweigen war kein Widerspruch. Es war das Schweigen, Zeuge zu werden, wie Liebe Gestalt annahm.
Nun werden Taschen, Brotdosen, Trinkflaschen und Schokolade für jedes Kind einzeln gepackt. Wir haben Namensschilder dafür angefertigt, damit jedes Kind etwas ganz Persönliches erhält.
Vielleicht bedeutet es genau das, ein Lichtblick in jemandes Wolken zu sein. Nicht, indem man eine Rede über Hoffnung hält. Nicht, indem man darum bittet, dass der Kummer verschwindet. Sondern indem man zulässt, dass aus Trauer Zärtlichkeit wird. Indem man Liebe, die sonst nirgendwo hin kann, ihren Weg in das Lächeln eines anderen Kindes findet.
Am 21. Juni hoffen wir, ein wenig Farbe in das Leben dieser Kinder zu bringen.
Und irgendwo in diesen Wolken hoffe ich, auch meine Tochter zu sehen.
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