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Von Kugeln Zu Armreifen

Nach den Ängsten meiner früheren Jahre bin ich jetzt glücklicher.

Diese Jahre waren hart. Ich begann mein Dasein in einer Fabrik als aufgewickelte Mischung aus Kupfer und Zink, die zu einer kleinen, becherförmigen Masse gepresst wurde. Dann wurde ich maschinell zu einem Zylinder gezogen und zu einem engen Rohr gedehnt. Schon die Erinnerung daran ist schmerzhaft: Um gedehnt werden zu können, ohne zu brechen, musste ich immer wieder erhitzt, geglüht, gebeizt, gespült und vermessen werden.

Danach wurde mein Oberteil abgetrennt, mein Boden geformt und ich in eine dauerhafte Röhrenform gebracht. Ich werde die Details dessen, was folgte, gar nicht erst erwähnen: das Surren der Drehbank, das Schneiden, das Stanzen des Zündlochs, das abschließende Versiegeln, das zu meiner Geburt als glänzende neue Messinghülse führte.

Dann schob mich ein Förderband in einen schwindelerregenden Haufen Zylinder, die genauso aussahen wie ich. Ich wurde sortiert. Verpackt. In eine Kiste verladen. An Munitionshersteller verschickt. Gekauft von Armeen, denen mein Aussehen völlig egal war; sie interessierten sich nur für das, was ich einmal enthalten würde.

Ich wurde unfreiwillig zum Komplizen des Todes: zur Metallhülse einer AK-47-Kugel.

Foto von Mykola Makhlai auf Unsplash

Foto von Mykola Makhlai auf Unsplash

Der internationale Handel führte mich in den Südsudan und schließlich in die Patronenhülse eines jungen Mannes. Er lud sie in sein AK-47. Es war dunkel und beängstigend. Ich zuckte zusammen, wann immer er marschierte, rannte oder sich zu Boden warf. An jenem schrecklichen Tag, als er abdrückte, lieferte ich den Zünder, der die Kugel nach vorne trieb.

Ich konnte nicht sehen, ob die Kugel ihr Ziel traf oder auf wen oder was sie gezielt hatte. Ich erinnere mich nur an den ohrenbetäubenden Knall und daran, dass ich gleichzeitig aus dem Körper geschleudert wurde und mit einem leisen Aufprall auf dem ausgedörrten Lehmboden eines unbekannten Ortes landete. Ich lag da, regungslos und erschöpft, und fragte mich, ob jemand meinetwegen gelitten hatte.

Doch hier nahm mein Leben eine unerwartete Wendung. Einige Tage später fand mich eine Frau, klopfte mir den Staub ab und brachte mich zu ihrer Lehmhütte. Dort legte sie mich zu Dutzenden ähnlicher leerer Hülsen. An einem regnerischen Tag, als sie ihren anderen Arbeiten nicht nachgehen konnte, nahm sie mich zusammen mit den anderen und schmolz uns auf einem flachen Stück Eisen über offenem Feuer ein.

Nach und nach wurden wir weicher und verloren unsere Individualität. Das tat weh, gewiss; aber sie besaß eine Zärtlichkeit, der ich vertraute. Sie ließ uns etwas abkühlen und rollte uns dann mit den Händen zu langen, seilartigen Formen. Und dann, welch ein Wunder, bog sie uns zu Fuß- und Armreifen.

Spürt ihr unsere Erleichterung? Wir sind keine Werkzeuge der Brutalität mehr. Wir sind Schönheit! Wer hätte sich eine solche Wandlung vorstellen können? Wer könnte unsere Freude in Worte fassen?

Wenn meine Besitzerin sich nun bewegt, tanzen wir mit ihr, glitzern in der Sonne und fühlen uns wohl in unserer Haut. Leben nach dem Tod. Was könnte schöner sein?

Toposa-Fußkettchen aus Patronenhülsen.jpeg Eine objektive Betrachtung des Südsudans

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COMMUNITY REFLECTIONS

2 PAST RESPONSES

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Doe Dec 13, 2021

Really, really lovely. I was very happily surprised I was no longer reading about a killing instrument. Blessings to you :)

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Kristin Pedemonti Dec 13, 2021

Powerful writing and glorious repurposing of object of death to object of beauty