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Pablo Nerudas Wichtigste Lektion Aus Seiner Kindheit

Als Neruda noch ein kleiner Junge war, spielte er eines Tages auf dem Grundstück hinter dem Haus und entdeckte ein Loch in einem Zaunbrett. „Ich schaute durch das Loch und sah eine Landschaft wie die hinter unserem Haus: ungepflegt und wild. Ich wich ein paar Schritte zurück, weil ich irgendwie spürte, dass etwas passieren würde. Plötzlich erschien eine Hand – die winzige Hand eines Jungen in meinem Alter. Als ich wieder näher kam, war die Hand verschwunden, und an ihrer Stelle lag ein wunderschönes weißes Spielzeugschaf.“

Das Schaf hatte eine verblichene Wolle. Seine Räder waren abgefallen. All das machte es nur noch authentischer. Ich hatte noch nie ein so wundervolles Schaf gesehen. Ich blickte durch das Loch zurück, aber der Junge war verschwunden. Ich ging ins Haus und holte etwas Eigenes hervor: einen geöffneten Kiefernzapfen, der duftete und harzig war und den ich sehr liebte. Ich legte ihn an dieselbe Stelle und ging mit dem Schaf fort.

„Ich habe weder die Hand noch den Jungen je wiedergesehen. Und auch nie wieder so ein Schaf. Das Spielzeug ging schließlich bei einem Brand verloren. Aber selbst jetzt noch … immer wenn ich an einem Spielzeugladen vorbeikomme, schaue ich verstohlen ins Schaufenster. Es nützt nichts. Solche Schafe werden heute nicht mehr hergestellt.“

Neruda hat diesen Vorfall mehrmals kommentiert. „Dieser geheimnisvolle Austausch von Geschenken hat sich tief in mir eingeprägt wie eine Sedimentablagerung“, bemerkte er einmal in einem Interview. Und er verbindet diesen Austausch mit seiner Dichtung. „Ich bin ein glücklicher Mann gewesen. Die Vertrautheit von Brüdern zu spüren, ist ein wunderbares Geschenk des Lebens. Die Liebe geliebter Menschen zu fühlen, ist ein Feuer, das unser Leben nährt. Doch die Zuneigung von Fremden zu spüren, von jenen, die uns unbekannt sind, die über unseren Schlaf und unsere Einsamkeit, über unsere Gefahren und Schwächen wachen – das ist etwas noch Größeres und Schöneres, denn es erweitert die Grenzen unseres Seins und vereint alles Lebendige.“

„Dieser Austausch hat mir zum ersten Mal eine wertvolle Erkenntnis vor Augen geführt: dass die gesamte Menschheit irgendwie miteinander verbunden ist… Es wird Sie daher nicht überraschen, dass ich versucht habe, im Austausch für die menschliche Brüderlichkeit etwas Harziges, Erdiges und Duftendes zu geben…“

„Das ist die große Lektion, die ich in meiner Kindheit im Hinterhof eines einsamen Hauses gelernt habe. Vielleicht war es nichts weiter als ein Spiel zweier Jungen, die einander nicht kannten und einander etwas von den schönen Dingen des Lebens weitergeben wollten. Doch vielleicht blieb dieser kleine und geheimnisvolle Austausch von Geschenken auch in mir, tief und unzerstörbar, und schenkte meiner Dichtung Licht.“

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COMMUNITY REFLECTIONS

1 PAST RESPONSES

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Kristin Pedemonti Jul 14, 2015

A thousand times, yes! Those unexpected gifts, those kindnesses & sharing are what makes life beautiful :)