Auf der kürzlich stattgefundenen „Awe“-Konferenz der GGSC leitete Melanie DeMore im Rahmen des Tagesprogramms ein gemeinsames Singen mit den Teilnehmenden an. Den Reaktionen der Teilnehmer nach zu urteilen, war deutlich zu erkennen, dass etwas Magisches geschehen war: Wir alle fühlten uns durch das gemeinsame Singen einander näher und verbundener.
Warum ist Singen ein so starkes soziales Bindeglied? Die meisten von uns hören Musik von Geburt an, oft durch Wiegenlieder, und begleitet sie durch viele der wichtigsten Ereignisse unseres Lebens, von Schulabschlüssen über Hochzeiten bis hin zu Beerdigungen. Musik hat etwas an sich, das uns einander näherbringt und uns als Gemeinschaft zusammenschweißt.

Es besteht kaum ein Zweifel daran, dass der Mensch eine besondere Neigung zur Musik hat. Forscher entdeckten kürzlich, dass wir einen eigenen Bereich im Gehirn für die Verarbeitung von Musik besitzen, was die Theorie stützt, dass Musik eine wichtige Funktion in unserem Leben erfüllt.
Mehrere Studien haben gezeigt, dass gemeinsames Musikhören und Singen einen direkten Einfluss auf die Neurochemikalien im Gehirn haben, von denen viele eine Rolle bei Nähe und Verbundenheit spielen.
Neue Forschungsergebnisse deuten nun darauf hin, dass gemeinsames Musizieren oder Singen besonders wirksam sein kann, um durch die Freisetzung von Endorphinen soziale Nähe zu fördern.
In einer Studie stellten Forscher fest, dass Musizieren – durch Singen, Trommeln und Tanzen – bei den Teilnehmern zu einer höheren Schmerzschwelle (ein Indikator für eine erhöhte Endorphinausschüttung im Gehirn) führte als alleiniges Musikhören. Darüber hinaus rief das Musizieren stärkere positive Emotionen hervor, was darauf hindeutet, dass die Endorphinausschüttung ein Mechanismus ist, durch den sich Menschen beim gemeinsamen Musizieren einander näher fühlen.
In einer weiteren Studie verglichen Forscher die Auswirkungen des gemeinsamen Singens in einem kleinen Chor (20–80 Personen) mit denen eines größeren Chors (232 Personen) auf das Gemeinschaftsgefühl und die Schmerzschwelle. Die Forscher stellten fest, dass beide Chorgruppen nach dem Singen eine erhöhte Schmerzschwelle aufwiesen; die größere Gruppe erlebte jedoch nach dem Singen eine stärkere Veränderung des sozialen Zusammenhalts als die kleinere. Dies deutete für die Forscher darauf hin, dass die beim Singen freigesetzten Endorphine eine schnelle und effektive Verbindung zwischen großen Gruppen bewirken können.
Musik wird auch mit der Dopaminausschüttung in Verbindung gebracht, einem Hormon, das an der Regulierung von Stimmung und Verlangen beteiligt ist. Dies scheint die Fähigkeit der Musik, uns Freude zu bereiten, vorherzusagen. Zusammen mit der Wirkung auf Endorphine trägt Musik dazu bei, dass wir uns wohlfühlen und mit anderen in Kontakt treten, insbesondere wenn wir selbst Musik machen.
Doch Musik ist mehr als nur ein allgemeines Vergnügen. Neue Studien zeigen, wie sie zur Schaffung eines Gruppengefühls beitragen kann.
In einer Reihe raffinierter Studien untersuchten die Forscher Chris Loerch und Nathan Arbuckle, wie die musikalische Reaktivität – also wie stark man vom Musikhören beeinflusst wird – mit Gruppenprozessen wie dem Zugehörigkeitsgefühl zu einer Gruppe, positiven Assoziationen mit Mitgliedern der Eigengruppe, einer Voreingenommenheit gegenüber Mitgliedern der Fremdgruppe und Reaktionen auf Bedrohungen der Gruppe in verschiedenen Bevölkerungsgruppen zusammenhängt.
Die Forscher fanden heraus, dass „musikalische Reaktivität ursächlich mit grundlegenden sozialen Motivationen zusammenhängt“ und dass „Reaktivität auf Musik mit Merkmalen eines erfolgreichen Gruppenlebens korreliert“. Anders ausgedrückt: Musik bewirkt, dass wir uns Gruppen zugehörig fühlen.
Aber wie genau bewirkt Musik das? Einige Forscher vermuten, dass der Rhythmus der Musik uns hilft, unsere Gehirnfunktionen zu synchronisieren und unsere Körperbewegungen mit denen anderer zu koordinieren. So können die positiven Effekte auf eine ganze Gruppe übertragen werden. Studien belegen diese These, indem sie zeigen, wie die Koordination von Bewegungen durch Musik unser Gemeinschaftsgefühl und prosoziales Verhalten stärkt. Eine Studie ergab beispielsweise, dass Zweijährige ihre Körperbewegungen besser mit einem Trommelschlag synchronisierten – genauer mit einem Menschen, den sie sehen konnten, als mit einem Drumcomputer.
Diese Tendenz zur Synchronisierung scheint mit zunehmendem Alter immer wichtiger zu werden. In einer weiteren Studie hörten Erwachsene drei verschiedene Musikarten – rhythmische Musik, nicht-rhythmische Musik oder „weißes Rauschen“ – und bearbeiteten anschließend eine Aufgabe, die Kooperation und Koordination der Bewegungen erforderte. Diejenigen, die rhythmische Musik hörten, bewältigten die Aufgaben effizienter als diejenigen, die die anderen Musikarten hörten. Dies deutet darauf hin, dass Rhythmus in der Musik Verhaltensweisen fördert, die mit sozialem Zusammenhalt in Verbindung stehen.
In einer weiteren Studie koordinierten sich Personen, die nebeneinander saßen und gebeten wurden, sich in einem angenehmen Rhythmus zu wiegen, ohne Musik zwar besser, fühlten sich aber einander näher, wenn sie sich beim Musikhören synchronisierten. Eine Studie von Scott Wiltermuth und Chip Heath von der Stanford University zeigte, dass diejenigen, die Musik hörten und ihre Bewegungen dazu synchronisierten, in ökonomischen Spielen besser kooperierten und anderen gegenüber großzügiger handelten (selbst in Situationen, die persönliche Verluste zum Wohle der Gruppe erforderten, wie beispielsweise im Public Goods Game ).
All diese Erkenntnisse bestätigen die Bedeutung der Musik für unsere sozialen Beziehungen. Vielleicht ist Musik deshalb ein so natürliches Mittel, um Menschen zusammenzubringen. Ob bei Konzerten, gesellschaftlichen Anlässen oder Konferenzen – Musik kann uns helfen, uns zu verbinden, zusammenzuarbeiten und füreinander da zu sein. Das legt nahe, dass wir, wenn wir eine harmonischere Gesellschaft anstreben, gut daran täten, Musik weiterhin in unser Leben – und das unserer Kinder – zu integrieren.
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