BETTY PECK, 1921 - Saratoga, Kalifornien, USA
Bei Betty Peck gibt es jeden Tag um halb fünf Tee. Grüner Tee, der einfache Beuteltee, ist Bettys Lieblingstee, und zur Teestunde steht immer eine große, perfekt gebrühte Kanne davon bereit. Betty bringt den Tee und die Inspiration mit, und ich bringe fast immer die Süßigkeiten mit: Cupcakes mit Zuckerguss, Erdnussbutterkekse und Schokoladenkekse mit Eiscreme, die man am 4. Juli als Sandwiches isst. Sie liebt Süßes über alles und bastelt sogar ihren Weihnachtsschmuck aus übrig gebliebenen Häagen-Dazs-Eisstielen, die sie goldfarben ansprüht und zu Sternen formt. Sie sehen überraschend elegant aus; Betty ist die Eleganz in Person, und alles, was sie anfasst, wird von ihr veredelt.
Eine große kalifornische Eiche spendet fast dem gesamten Grundstück in Saratoga, Kalifornien, Schatten, und wenn man die Auffahrt hinaufgeht, betritt man eine verwunschene Welt. Es ist ein relativ kleines Grundstück, übersät mit raschelndem Laub, das die Eiche überall abgeworfen hat, und voller kleiner Freuden: Trauertauben gurren in einer Ecke, eine Schmalspurbahn für Kinder fährt auf ihren Gleisen, ein prächtiger Pfau thront stolz in der Großen Halle, und ein kleines Freilufttheater steht bereit für die verschiedenen jährlichen Aufführungen, wie zum Beispiel den 1. Mai, an dem hundert Menschen um den mit pastellfarbenen Bändern geschmückten Maibaum tanzen und anschließend um 8 Uhr gemeinsam Erdbeerkuchen essen.
Betty ist eine Pionierin der ganzheitlichen frühkindlichen Bildung mit Schwerpunkt Kindergarten. Im Laufe ihrer Karriere unterrichtete sie Tausende von Kindergartenkindern und schenkte Kindern in ganz Nordkalifornien einen zauberhaften und zugleich bodenständigen Start in ihre Schulzeit. Ich lernte Betty durch meinen guten Freund Alec kennen, einen ehemaligen Kindergartenschüler ihrer Tochter Anna. Er hatte mich zu einem von Bettys Teestunden eingeladen. Alec schwärmte von dem Kindergartenbrot, das er mit vier Jahren backen gelernt hatte und das er bis heute backt. Ich besuchte Betty ursprünglich, um mehr über dieses berühmte Brot zu erfahren, doch was sich in unseren vielen langen Gesprächen offenbarte, war Bettys Philosophie des Lernens und des Lebens.
In Bettys Kindergarten drehte sich alles um drei Dinge: den Garten, den Körper oder den Kosmos. Essen – das Ergebnis des Gartens und die Nahrungsversorgung des Körpers – war daher ein ständiges Thema, und Kochen gehörte zu den häufigen Aktivitäten. Zu Ostern wurden Erd-Eier (kleine, warme, neue Kartoffeln, in Folie gewickelt und mit einem Stückchen Butter gefüllt) versteckt, die die Kinder suchen durften, wöchentlich wurde Kindergartenbrot gebacken, und Engelstorte mit Bettys schneller Zitronencreme gab es immer dann, wenn ein Geburtstag gefeiert wurde.
In Bettys Kindergarten entwickelte sich alles ganz natürlich, inspiriert von der Weisheit und Kreativität, die sie in den Kindern entdeckte. Die Geschichte vom Engelsnahrungskuchen berührt mich am meisten: Eines Jahres wurde eines von Bettys liebsten Kindergartenkindern schwer krank und musste ins Krankenhaus. Jeden Tag versammelten sich die anderen Kinder und malten eine Karte für sie. Eines Tages starb das kleine Mädchen. Als Betty den anderen Kindern die Nachricht überbrachte, fragte sie: „ Meine Lieben, wie sollen wir das Leben dieses kleinen Engels feiern, der bei uns war? “ Sie wurden ganz still und antworteten dann: „ Wir sollten einen Engelsnahrungskuchen backen und uns an all die schönen Dinge erinnern, die sie ausgemacht haben. “ Und genau das taten sie – sie aßen einen Engelsnahrungskuchen, und Betty zauberte dazu die einfachste Zitronencreme der Welt. Seitdem wird jeder Geburtstag in Bettys Kindergarten oder bei ihr zu Hause mit Kuchen und Zitronencreme gefeiert.
Bettys Unterricht war voller besonderer Geschichten; das Herzstück ihrer Kochkurse im Kindergarten war jedoch das Kindergartenbrot. Wöchentlich gebacken, durchliefen die Kinder bei der Zubereitung alle Stadien des Weizens, vom Korn bis zum fertigen Laib. Jedes Jahr säten sie den Weizen, ernteten ihn, mahlten eine kleine Menge für den Teig und lernten Kneten, Gehenlassen und Backen. Dabei sangen sie Lieder über die verschiedenen Schritte. Jedes Kind übte sogar den Buchstaben der Woche, indem es ihn aus Teig formte (die haptische, dreidimensionale Beschaffenheit des Teigs fördert nachweislich die Lese- und Schreibfähigkeiten). Alles in Bettys Klassenzimmer hatte seinen Sinn – es zeigte, wie alles im Leben miteinander verbunden ist. Das Brot war ein köstliches und regelmäßiges Beispiel dafür.
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Bettys Kindergartenbrot-Rezept finden Sie hier.

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Us "Grands" all have our ways, I suppose I'm more grandmother than grandfather in many ways; cooking, cuddling, etc? };-) ❤️
This is the Perfect Valentine's Day tribute. Betty sounds like a beautiful hearted human being who knew how to share LOVE. Thank you for lifting my heart today <3