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Der Unterschied Zwischen Bildung Und Ausbildung

Für mich ist der Bildungsprozess eng mit dem Heilungsprozess verbunden. Das Wort „Bildung“ – „educare“ – bedeutet, die verborgene Ganzheit eines anderen Menschen zum Vorschein zu bringen. Eine echte Bildung fördert Selbsterkenntnis, Selbstvertrauen, Kreativität und den vollen Ausdruck der eigenen Identität. Sie gibt Menschen den Mut, mehr zu sein. Dennoch haben mir im Laufe der Jahre so viele Angehörige der Gesundheitsberufe erzählt, dass sie sich durch ihre Erfahrungen in der Berufsschule persönlich verletzt und zutiefst geschwächt fühlen. Diese Erfahrung habe ich auch gemacht.

Das hat mich zum Nachdenken gebracht. Vielleicht handelt es sich bei dem, was wir alle erlebt haben, gar nicht um eine Ausbildung, sondern um eine Schulung, die etwas ganz anderes ist. In der Medizin ist die Ausbildungsdimension der Ausbildung mit der Entwicklung der vielen Techniken des wissenschaftlichen Ansatzes immer zentraler geworden und hat an Bedeutung gewonnen. Das Ziel einer Ausbildung ist Kompetenz und Reproduzierbarkeit. Einzigartigkeit wird oft nicht gern gesehen und kann sogar als gefährlich angesehen werden.

In einem Training geht es darum, alles richtig und falsch zu machen. Dabei kann die eigene Vorgehensweise oft irrelevant werden. In einem solchen Umfeld erleben die Studierenden ihr Lernen oft als ständigen Kampf, gut genug zu sein. Training schafft eine Kultur der unerbittlichen Bewertung und Beurteilung. Als Reaktion darauf versuchen die Studierenden, jemand anderes zu werden, als sie sind.

Am Ende der Healer’s Art-Unterrichtseinheiten stehen die Studenten in einem großen Kreis, gehen still ihre Erinnerungen an den Kurs durch und identifizieren das Wichtigste, was sie während des Kurses gelernt oder gemerkt haben. Diese Erkenntnisse formulieren sie dann zu einer Affirmation: einem kurzen Satz, der auf eine von drei Arten beginnt: Ich bin … Ich kann … oder Ich werde. Einer nach dem anderen geht im Kreis herum und sagt seinen Satz laut. Dieses Jahr ist es das 24. Jahr, dass ich diesen Kurs an meiner medizinischen Fakultät unterrichte. Der häufigste Satz, den die Studenten bei diesem Austausch sagen, ist ein einfacher Satz aus drei Wörtern: ICH BIN GENUG. Jahr für Jahr ist es derselbe Satz, den auch ich selbst sage. Er ist der Anfang von allem.

In der Medizin ist die Ausbildung für die technische Kompetenz von entscheidender Bedeutung. Die eigentliche Frage ist: Ist die Ausbildung gut genug?

[...]

Mein Traum von der Medizin war nicht, kompetent zu werden. Mein Traum war, ein Freund des Lebens zu werden. Dieser Traum ermöglichte es mir, das unermüdliche Streben nach Kompetenz, das von mir verlangt wurde, durchzuhalten. Doch Kompetenz erfüllte mich damals nicht und hätte mich auch mein ganzes Leben lang nicht erfüllen können. Nur ein Traum kann das.

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1 PAST RESPONSES

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Mary Jan 9, 2016

I have been in the field of education and love your writing.