Alle Eltern möchten ein freundliches und hilfsbereites Kind erziehen. Aber wie?
Eine aktuelle Studie legt nahe, dass es einfacher sein könnte, als wir denken. Laut den Studienautoren besitzen Menschen eine starke Veranlagung zum Altruismus, die sich bereits im Säuglingsalter zeigt. Erwachsene müssen Kinder lediglich sanft und unaufdringlich dazu ermutigen, und schon bald werden sie altruistisch handeln.
In einer Studie des Max-Planck-Instituts für evolutionäre Anthropologie in Deutschland wurden 60 18 Monate alten Säuglingen vier verschiedene Fotoserien gezeigt (siehe unten). Im Vordergrund aller Fotos war ein vertrauter Haushaltsgegenstand, beispielsweise ein roter Teekessel, zu sehen. Der Hintergrund variierte jedoch in jeder der vier Fotoerien.
In einer der Fotoserien waren im Hintergrund jedes Bildes zwei einander zugewandte Puppen zu sehen; in einer anderen Serie stand eine dieser Puppen allein im Hintergrund; in einer dritten Serie wurden die Puppen durch zwei Stapel bunter Bauklötze ersetzt; und in der letzten Serie standen die beiden Puppen Rücken an Rücken.
Nachdem die Säuglinge alle Fotos ihrer Gruppe betrachtet hatten, verließ der Versuchsleiter den Raum. Ein anderer Versuchsleiter betrat den Raum und ließ „versehentlich“ ein Bündel Stöcke fallen. Die Forscher beobachteten, wie viele Säuglinge in den vier Versuchsgruppen spontan versuchten, die Stöcke aufzuheben.
Die Forscher wollten herausfinden, ob Säuglinge eher helfen würden, nachdem sie Fotos gesehen hatten, auf denen die Puppen im Hintergrund einander zugewandt waren. Sie stellten fest, dass altruistisches Verhalten oft durch ein Gefühl der Zugehörigkeit und Verbundenheit mit einer größeren Gruppe angeregt wird, und vermuteten, dass die Vermittlung dieses Zugehörigkeitsgefühls zwischen Menschen, selbst auf subtile Weise, ausreichen würde, um die Häufigkeit freundlichen, hilfsbereiten – oder „prosozialen“ – Verhaltens zu erhöhen.
Die Säuglinge halfen gleichermaßen gern, wenn sie Fotos mit einer einzelnen Puppe, mit Rücken an Rücken stehenden Puppen oder mit Bauklötzen im Hintergrund gesehen hatten. Erstaunlicherweise war die Wahrscheinlichkeit jedoch dreimal höher, nachdem sie Fotos gesehen hatten, auf denen die Puppen im Hintergrund einander zugewandt waren.
Da die Säuglinge eher halfen, wenn die Puppen einander zugewandt waren, nicht aber, wenn sie Rücken an Rücken standen, schließen die Forscher, dass es der subtile Hinweis auf Verbundenheit war, der die altruistischen Handlungen der Babys auslöste, und nicht die bloße Anwesenheit zweier Puppen.
„Säuglinge stellen unbewusst eine Verbindung zwischen Zugehörigkeit und Hilfsbereitschaft her“, schreiben sie und fügen hinzu: „Die Verbindungen zwischen der Zugehörigkeit zur Gruppe und prosozialem Verhalten sind somit so grundlegend, dass bereits im Säuglingsalter ein bloßer Hauch von Zugehörigkeit ausreicht, um die Hilfsbereitschaft zu steigern.“
Die inPsychological Science veröffentlichten Ergebnisse geben Anlass zu Optimismus für Eltern, Erzieher und alle anderen, die Kinder zum Teilen und zur Freundlichkeit ermutigen möchten – und vielleicht auch dazu, im Haushalt etwas mehr mitzuhelfen.
„Wir haben gezeigt, wie einfach es ist, prosoziales Verhalten bei Säuglingen deutlich zu steigern“, schreiben die Forscher. „Unsere Daten legen nahe, dass überraschend subtile Veränderungen unseres sozialen Umfelds prosoziales Verhalten bei unseren Kindern fördern können.“
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2 PAST RESPONSES
Very interesting! I hope there will be new learning material for kids to support these insights!
Cheers Conny
Interesting indeed!