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Phyllis Cole-Dai ist Schriftstellerin und Dichterin und vor allem bekannt für „The Emptiness of Our Hands“, eine spirituelle Autobiografie über die 47 Tage, in denen sie und ihr Co-Autor James Murray bewusst auf den Straßen von Columbus, Ohio, lebten und sich darin übten, präsent zu sein. Zu ihrem 58. Geburtstag Anfang des Jahres verfasste sie 58 einzeilige Pandemiegebete und verarbeitete sie zu einem Gedicht. Lesen Sie den Text unten. Vielleicht hilft er Ihnen ja weiter. Sie können Phyllis das Gedicht hier vorlesen hören oder hier herunterladen.
AN MEINEM 58. GEBURTSTAG: 58 GEBETE FÜR DIE PANDEMIE
Mögen wir alle einen weiteren Geburtstag erleben.
Mögen wir jeden Morgen die Sonne begrüßen und uns darüber freuen, am Leben zu sein.
Mögen wir das Wunder frischer Luft atmen.
Mögen wir jeden Moment als Chance für einen Neuanfang würdigen.
Möge unser Glaube in einem fruchtbareren Boden als Sorgen verwurzelt sein.
Möge die Trennung uns näher zusammenschweißen.
Mögen wir im Spiegel andere Gesichter als unser eigenes sehen.
Mögen wir alle Menschen als Verwandte anerkennen.
Mögen wir sie genauso schätzen wie uns selbst.
Mögen wir zu Hause bleiben, um sie zu schützen.
Mögen wir den Körper pflegen, der unsere Seele beherbergt.
Mögen wir ausreichend Unterkunft, Nahrung, Wasser, Medizin und Ruhe haben.
Mögen wir unseren Überfluss großzügig teilen.
Mögen wir der Versuchung widerstehen, zu horten.
Mögen wir ohne Zögern oder Scham um Hilfe bitten.
Möge uns die Gesellschaft von Tieren, Blumen und Bäumen Trost spenden.
Mögen wir uns mit den Klängen der Stille anfreunden.
Mögen wir die Intimität der Einsamkeit willkommen heißen.
Mögen wir in die Tiefen unseres Wesens eintauchen und Segnungen ans Licht bringen, von denen wir nicht wussten, dass wir sie haben.
Mögen wir einander Zuflucht bieten.
Mögen wir uns weigern, in der Blindheit der Verleugnung, Gleichgültigkeit oder Verachtung zu verharren.
Mögen wir unser Temperament zähmen und keinen Groll hegen.
Mögen wir auch mit denen mitfühlen, die wir nicht mögen.
Mögen wir einander mit radikaler Aufmerksamkeit beschenken.
Mögen wir einander zuhören, als hingen Leben davon ab.
Mögen wir so sprechen, als wäre unsere Stimme der letzte Laut, den wir jemals hören.
Mögen wir erforschen, wie man berührt, ohne zu berühren, wie man hält, ohne festzuhalten.
Mögen uns Tränen und Zittern nicht in Verlegenheit bringen.
Mögen wir von unseren Kindern die Freude an unstrukturierter Zeit und den Trost von Routinen lernen.
Mögen wir unsere Kinder beruhigen und ihnen versichern, dass sich unter ihren Betten Monster aufhalten.
Mögen wir neue Rituale des Zusammenseins schaffen.
Mögen wir aus vollem Herzen lachen.
Mögen wir das Staunen kultivieren.
Mögen wir unserer Gesellschaft helfen, es besser zu machen als bisher.
Mögen wir die Probleme aus allen Blickwinkeln betrachten und direkt miteinander reden.
Mögen unsere Entscheidungen auf kollektiver Weisheit und nicht auf ansteckender Angst basieren.
Mögen wir unser Vertrauen in diejenigen investieren, die Experten sind, und nicht in diejenigen, die nur so tun, als ob.
Mögen wir Gesundheit höher schätzen als Reichtum.
Mögen wir unsere tägliche Arbeit sowohl denen widmen, die wir lieben, als auch dem Gemeinwohl.
Mögen wir jene Arbeiter unterstützen, deren unsichtbare Arbeit uns alle am Leben erhält.
Mögen wir diejenigen schützen, die sich selbst in Gefahr bringen, um uns zu schützen.
Mögen wir das Unmögliche in das Machbare verwandeln.
Dürfen wir uns nach dem Wohlergehen von Fremden erkundigen?
Mögen wir für diejenigen eintreten, die zu Sündenböcken gemacht werden und Zielscheibe von Hass sind.
Mögen wir von Veranda zu Veranda singen, bis die ganze Welt unser Nachbar ist
Mögen wir unsere Erwartungen darüber aufgeben, wie schwer oder lang dieser Weg sein wird.
Mögen wir auf unserem Weg unser eigenes Tempo bestimmen.
Möge jeder von uns mehr von der Last tragen, damit niemand darunter stolpert.
Mögen wir uns auf das Unbekannte vorbereiten.
Mögen wir dem Licht unserer hellsten Gebete folgen.
Mögen wir gemeinsam zu besseren Versionen unserer selbst heranwachsen.
Mögen wir die Saat einer neuen Welt in dem pflanzen, was von der alten übrig geblieben ist.
Mögen wir uns in den dunklen Stunden daran erinnern, dass wir nicht allein sind.
Mögen wir niemanden im Stich lassen, der unter Schmerzen stirbt oder dem die Güte fehlt.
Mögen wir um die Verlorenen trauern, auch wenn wir sie nicht versammeln können.
Mögen wir ihrem Andenken gerecht werden.
Mögen wir keine Minute der kostbaren Zeit verschwenden, die sie hätten haben sollen.
Mögen wir einander so lieben, wie wir geliebt werden möchten.
Mögen unsere Kinder uns alle überleben.
26. März 2020
© 2020 Phyllis Cole-Dai
Einige Rechte vorbehalten.
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Truly worth pondering on for awhile. Thank you!
Meaningful
Delightful 🙏🏽♥️
Thank you Phyllis, beautiful prayers and reminders