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Lobrede Versus Lebenslauf-Tugenden

Ungefähr einmal im Monat treffe ich einen Menschen, der ein inneres Licht ausstrahlt. Solche Menschen gibt es in allen Lebensbereichen. Sie wirken durch und durch gut. Sie hören gut zu. Sie geben einem das Gefühl, witzig und wertgeschätzt zu sein. Oft begegnet man ihnen dabei, wie sie sich um andere kümmern, und dabei ist ihr Lachen melodisch und ihr Auftreten von Dankbarkeit durchdrungen. Sie denken nicht darüber nach, was für eine wunderbare Arbeit sie leisten. Sie denken überhaupt nicht an sich selbst.

Wenn ich so einen Menschen treffe, verschönert das meinen Tag. Aber ich gestehe, dass ich oft einen traurigeren Gedanken habe: Mir fällt zwar ein, dass ich einen anständigen beruflichen Erfolg erreicht habe, aber das habe ich nicht erreicht. Ich habe weder diese Großzügigkeit noch diese Charakterstärke erreicht.

Vor ein paar Jahren wurde mir klar, dass ich diesen Menschen ein bisschen ähnlicher sein wollte. Mir wurde klar, dass ich dafür härter arbeiten musste, um meine Seele zu retten. Ich musste die Art moralischer Abenteuer erleben, die diese Art von Güte hervorbringen. Ich musste mein Leben besser ausbalancieren.

Mir fiel auf, dass es zwei Arten von Tugenden gibt: die Tugenden des Lebenslaufs und die Tugenden der Trauerrede. Die Tugenden des Lebenslaufs sind die Fähigkeiten, die man auf dem Arbeitsmarkt mitbringt. Die Tugenden der Trauerrede sind diejenigen, über die bei Ihrer Beerdigung gesprochen wird – ob Sie freundlich, mutig, ehrlich oder treu waren. Waren Sie zu tiefer Liebe fähig?

Wir alle wissen, dass die Tugenden einer Trauerrede wichtiger sind als die eines Lebenslaufs. Doch unsere Kultur und unsere Bildungssysteme verbringen mehr Zeit damit, die Fähigkeiten und Strategien für den beruflichen Erfolg zu vermitteln, als die Eigenschaften, die diese innere Strahlkraft ausstrahlen. Viele von uns wissen besser, wie man eine äußere Karriere aufbaut, als wie man seinen inneren Charakter stärkt.

Doch wenn man für äußere Erfolge lebt, vergehen die Jahre, ohne dass die tiefsten Teile von einem selbsterforscht und strukturiert werden. Es fehlt einem an moralischem Vokabular. Man verfällt leicht in selbstzufriedene moralische Mittelmäßigkeit. Man benotet sich selbst nachsichtig. Man denkt, solange man niemanden offensichtlich verletzt und die Leute einen zu mögen scheinen, muss alles in Ordnung sein. Doch man lebt in unbewusster Langeweile, abgekoppelt vom tiefsten Sinn des Lebens und den höchsten moralischen Freuden. Allmählich öffnet sich eine demütigende Kluft zwischen dem eigenen Ich und dem eigenen Wunsch-Ich, zwischen einem selbst und den strahlenden Seelen, denen man manchmal begegnet.

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COMMUNITY REFLECTIONS

2 PAST RESPONSES

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Laripu Dec 11, 2016

David Brooks ought to forgive himself. The kind of radiant people he justifiably admires are exceptional people, like Einstein, Gretzky, Mozart, or Shakespeare, in their respective fields.

The quality he wishes he had, like every human quality, is governed by the normal curve. Some people will be very deficient, some people will be greatly gifted, and most will be, plus or minus, clustered around the average.

The fact that he (and I) can see the pinnacles of radiant goodness, and appreciate it, means he is already above average in this quality. But very few people will ever achieve that, like very few can score 90 goals in an NHL season or write the next Hamlet.

Normal people, those close to the average on the normal curve, can only do the best they can. We ought to also admire those who, through effort, do a little better than their natural limitation.

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Carolyn1520 Jul 22, 2015

Thank you!
This concept should be the starting point for where we change our educational system. The old "It's nice to be important but more important to be nice" If children learn that first, they will be important and they will be successful.