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Unu Spiro: Ein-Atem-Meditationsgemälde

Filiz Emma Soyak, 1979 in Belgien als Tochter eines türkischen Vaters und einer schwedischen Mutter geboren, wusste bereits im Alter von fünf Jahren, dass die bildende Kunst ihre Berufung und Ausdrucksform ist. Ihre Herkunft, ihre Reisen und ihr Fernweh geben ihr immer wieder Inspiration und Perspektive. Die Mutterschaft veränderte ihre Welt und bedeutete einen grundlegenden Wandel in ihrer Arbeit hin zu einer achtsameren Arbeitsweise und einem bewussteren Ansatz. Mehr denn je spiegelt sie heute ein Bewusstsein für das Leben im Hier und Jetzt wider.

„Unu Spiro“ bedeutet auf Esperanto „ein Atemzug“, eine Sprache, die dazu bestimmt ist, zu vereinen, und in der alles in der Gegenwart verwurzelt ist.

Ich begann meine One-Breath-Gemälde als meditative Übung, um den gegenwärtigen Moment zu genießen. 2016 wurde ich Mutter einer brillanten Seele. Mein Herz weitete sich, mein Leben veränderte sich, und ich veränderte mich. Doch als ich Mutter wurde, empfand ich mehr Chaos als Klarheit, während die Tage und Nächte mit schwindelerregender Geschwindigkeit vergingen. Ich bemerkte, wie ich alles weniger anmutig und unbehaglicher bewältigte, als ich erwartet hatte. Meine Intuition war immer mein Wegweiser gewesen, doch ich konnte meine eigenen Gedanken nicht mehr klar hören und verlor den Glauben an meine Instinkte. Alles, was ich als mich selbst kannte, existierte nicht mehr. Während mein neues Leben von mir verlangte, präsenter zu sein, spürte ich, wie meine Gedanken manisch in die Vergangenheit sprangen und sich Sorgen um die Zukunft machten. Ich konnte nicht mehr leicht atmen. Mein Körper schien nicht mehr zu mir zu gehören, und meine Zeit auch nicht. Ich fühlte mich losgelöst von der Person, die ich vorher war. Wer war diese Person? Wo war das ruhige, neugierige, aufmerksame, positive, zielstrebige, kreative Wesen, an das ich mich als mich selbst erinnerte? Ich fühlte mich wie eine Hülle meines früheren Selbst.

Ich wusste, dass sich etwas ändern musste.

Mein ganzes Leben lang war Kunst meine Art, Lebenserfahrungen zu verarbeiten und zu verstehen. Sie ist meine Identität. Sie ist meine Sprache. Sie war auch eine Übung in Achtsamkeit. Doch in meiner neuen Rolle konnte ich nicht mehr so ​​arbeiten wie gewohnt. Meine Zeit und Energie waren begrenzt, und ich fühlte mich nicht inspiriert, wenn ich nicht auf meine Intuition hören konnte.

Ich hatte zwanzig Jahre zuvor im College mit Yoga und Meditation begonnen. Doch seit der Geburt meines Kindes hatte ich keine Möglichkeit mehr, etwas für mich selbst zu tun, geschweige denn, eine spirituelle Praxis aufrechtzuerhalten. Ich wusste aus eigener Erfahrung, dass es helfen würde.

Sicherlich könnte ich zehn Minuten finden!

Ich öffnete eine alte Flasche schwarze Tinte. Es war noch etwas übrig. Ich wusste nicht, was ich tun sollte, aber es ging mir nicht um das Produkt, sondern um den Prozess.

Also nahm ich mir vor, jeden Tag zu meditieren. Ich bemerkte sofort eine Veränderung. Meditation half mir, langsamer zu werden, zu atmen und wieder auf meine innere Stimme zu hören. Nach ein paar Wochen sagte mir meine Intuition etwas, was ich schon immer gewusst hatte. Der Künstler in mir war immer noch da, und ich musste einen Weg finden, wieder zu malen. Aber ich musste alles vereinfachen und minimieren – meinen kreativen Prozess, die Materialien, den Maßstab, die Farben und die Form.

An einem Junimorgen im Jahr 2017, während meine Tochter ein Nickerchen machte, saß ich in meinem Dachstudio mit einem aufgeschlagenen Skizzenbuch. Ich nahm einen handgemachten Kalligrafiepinsel zur Hand, den ich seit Jahrzehnten besaß, aber nie benutzt hatte. Ich füllte eine Keramikschale mit Wasser – eine, die ich mit zwölf in Japan hergestellt hatte. Ich öffnete eine alte Flasche mit schwarzer Tinte. Es war noch etwas übrig. Ich wusste nicht, was ich tun sollte, aber es ging mir nicht um das Produkt, sondern um den Prozess. Ich drückte eine Pipette voll Tinte ins Wasser. Zuzusehen, wie sie tropfte, sich dann bewegte und sich langsam im Wasser verwandelte, war faszinierend. Ich holte tief Luft und hob den Pinsel. Ausatmend tauchte ich ihn in die Schale. Wieder einatmend drückte ich den Pinsel auf das Papier und beim Ausatmen bewegte ich den Pinsel, um einen Strich zu hinterlassen. Ich fühlte mich ruhiger. Mit jedem Atemzug malte ich einen weiteren Strich. Es war langsam, methodisch und es fühlte sich gut an. Also tat ich es immer wieder.

Mit der Zeit entfalteten sich Geschichten über das Muttersein und spiegelten mir ihre Lehren in Form abstrakter schwarzer Striche auf Papier wider. Meine kreative Praxis war zu meiner Achtsamkeitspraxis geworden. Meine Bilder waren meine Meditationen, meine Lehren. Mein Atem hatte mir einen Weg gebahnt, mein Leben zu zentrieren und zu verarbeiten. Ich war bei Unu Spiro, One Breath Paintings, angekommen und fand Stille, Frieden und Dankbarkeit für mein neues Ich und die Gegenwart.

Kunstessay von FILIZ EMMA SOYAK

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COMMUNITY REFLECTIONS

3 PAST RESPONSES

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Bec Ann Jun 19, 2018

A beautiful reminder of rediscovering time for one's self and trusting the process of art in all it's wonder

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Patrick Watters Jun 8, 2018

Discovering once again the unforced rhythms of grace - Unu Spiro

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Kristin Pedemonti Jun 8, 2018

I love the idea of one breath and combining that with an activity whether painting or poetry <3