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Spirituelles Zuhören

Spirituelles Zuhören ist der Kern aller Beziehungen. Wir erleben es, wenn wir zu einem ruhigen, sicheren Raum werden, in dem der Sprecher seine authentischste Stimme zum Ausdruck bringen kann. Es entsteht eine Seelengemeinschaft. Die Art und Weise, wie wir einander zuhören, gibt den Ton für alles Folgende an. Wir denken oft, unser Sprechen, unsere Worte, seien der wichtigste Teil unserer Kommunikation. Doch es ist die Qualität unseres Zuhörens, die in jedem Gespräch den größten Einfluss hat. Der Quäker Douglas Steere sagt: „Der Seele eines anderen zuzuhören, bis sie sich offenbart und entdeckt, ist vielleicht der größte Dienst, den ein Mensch einem anderen jemals erweist.“ Was macht Zuhören spirituell? Es ist die Kunst, zuhörend präsent zu werden, eine Seinsweise, in der Stille und Aufmerksamkeit den Raum schaffen, authentisch zu sprechen und zu wissen, dass sie gehört werden. Von dieser Position aus können wir über verschiedene Hintergründe, Kulturen, Religionen und Glaubenssysteme hinweg zuhören. Es geht darum, verständnisvoll statt urteilend präsent zu sein. Wenn wir auf diese Weise offen, neugierig und aufmerksam anderen gegenüber sind, entdecken wir eine tiefere, heilige Verbindung; wir leben in einer Beziehung.

Spirituelles Zuhören führt zu neuem Verständnis, wenn wir uns auf der Herzensebene miteinander verbinden und Gemeinsamkeiten und neue Möglichkeiten entdecken. Um vorurteilsfrei, offen, erwartungsvoll und aufnahmebereit zuzuhören, dürfen wir nicht über unsere Reaktion oder unser nächstes Vorgehen nachdenken. Wir müssen lernen, zuzuhören und zuzuhören, was sich offenbaren will.

Gastfreundschaft ist ein weiteres Element spirituellen Zuhörens. Der römisch-katholische Priester Henri Nouwen formulierte es so: „Zuhören bedeutet viel mehr, als jemanden reden zu lassen und auf eine Antwort zu warten. Zuhören bedeutet, anderen volle Aufmerksamkeit zu schenken und sie in unserem Innersten willkommen zu heißen. Das Schöne am Zuhören ist, dass sich diejenigen, denen zugehört wird, angenommen fühlen, ihre Worte ernster nehmen und ihr wahres Ich entdecken. Zuhören ist eine Form spiritueller Gastfreundschaft, mit der man Fremde einlädt, Freunde zu werden, ihr Inneres besser kennenzulernen und sogar zu wagen, mit einem zu schweigen.“

Spirituelles Zuhören ist eine nichtlineare Erfahrung. Wenn wir tief in uns gehen, gelangen wir zu etwas wie der Pfahlwurzel. Dort stellt sich ein Gefühl der Einheit ein, Einheit ohne Dualität. Wir betreten diesen Raum mit unserem ganzen Selbst, mit Herz, Geist, Körper und Seele. Wir beginnen uns zu erinnern, wer wir sind.

Zugang zu diesem Raum erhält man durch die Praxis der Stille und Ruhe. Spirituelle Meister aller Religionen lehren, wie wichtig es ist, den Geist zu beruhigen und das Herz zu zentrieren. Von diesem Raum aus werden wir Zeugen der tiefsten Hoffnungen und Träume, Sehnsüchte und Sorgen des anderen; unsere Seelen verbinden sich.

In der modernen Gesellschaft ist es nicht leicht, sich mit Stille anzufreunden. Wir leben in einer Welt voller Lärm, ständiger Reize und ständigem Kontakt mit dem, was überall auf der Welt passiert. Wir meiden Stille unbewusst und werden unruhig, wenn es keinen Lärm gibt; doch Stille hat etwas Wertvolles.

Auch die Wissenschaft beweist den Wert der Stille in unserem Leben. Neue Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass Stille Spannungen im Gehirn und im Körper löst. Zwei Minuten Stille sind entspannender als zwei Minuten entspannende Musik, berichtet das Journal Heart. Eine 2013 in Brain, Structure and Function veröffentlichte Studie über die Auswirkungen von Lärm auf das Gehirn ergab, dass Kontrollratten bei zwei Stunden Stille pro Tag neue Zellen im Hippocampus entwickelten, dem Zentrum für Emotionen, Gedächtnis und Lernen. Stille kann unser Gehirn wachsen lassen! Je wohler wir uns mit der Stille fühlen, desto mehr wandelt sie sich von etwas Leerem, Einsamem und Zu Vermeidendem zu etwas Reichem, Lebendigem und Ersehntem.

Es folgt ein Auszug aus der Botschaft Seiner Heiligkeit Papst Franziskus anlässlich des 50. Welttags der sozialen Kommunikationsmittel, der am 8. Mai 2016 gefeiert wird.

Zuhören ist nie einfach. Oft ist es einfacher, sich taub zu stellen. Zuhören bedeutet, aufmerksam zu sein, zu verstehen, wertzuschätzen, zu respektieren und darüber nachzudenken, was der andere sagt. Zuhören zu können ist eine große Gnade, ein Geschenk, um das wir bitten und es dann mit aller Kraft üben müssen.

Spirituelles Zuhören spricht alle unsere Sinne an, wenn wir uns frei und ohne Erwartungen einem anderen hingeben und so die Möglichkeit für tiefe Verbundenheit schaffen. Es ist ein Austausch aus tiefster Menschlichkeit. Wir fühlen uns beieinander zu Hause und ruhen in der Gnade und dem Frieden unserer Beziehung.

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Für weitere Inspiration nehmen Sie diesen Samstag an der Telefonkonferenz mit Kay Lindhal zum Thema „Die heilige Kunst des Zuhörens“ teil. Weitere Informationen und Anmeldemöglichkeiten finden Sie hier.

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COMMUNITY REFLECTIONS

2 PAST RESPONSES

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Patrick Watters Mar 9, 2022

#anamcara

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Kristin Pedemonti Mar 9, 2022

Brought to mind compassionate listening which in my lived experience seems quite similar and is such a,sacred space too. ♡
Thank you for reminding us of the beauty and power of deeply listening. Such a gift to give and receive.