Meine Existenz ist ein Widerspruch in sich. Erbaut von Männern, die ihren Lebensunterhalt mit Krieg verdienten. Erbaut, um Kinder vor dem Tod durch eben diesen Krieg zu schützen. Ich bin ein Luftschutzbunker.

Ich bin ein tief unter dem Campus der St. Bakhita Mädchengrundschule im Südsudan gegrabener Raum. Wie ein Grab, nur viel größer; groß genug für ein Dutzend junge Mädchen, die aus ihren Klassenzimmern gerannt sind, als sie das furchterregende Dröhnen eines sich nähernden Antinov-Kampfflugzeugs hörten.
Jeder hier kennt dieses Geräusch, das uns lange vor dem Flugzeug erreicht. Jeder hier hat die darauffolgende Bombenkaskade gesehen, die den Himmel überflutet, auf die Erde kracht, Bäume zerteilt, Gliedmaßen aus Menschenleben reißt, Häuser dem Erdboden gleichmacht und unsere ganze Welt in Flammen aufgehen lässt.
Jeder hier weiß, dass ich die einzig mögliche Zuflucht biete. Ehrlich gesagt, würde ich lieber leer bleiben. Ich wünschte, man würde mich nie brauchen.
Solche Bomben fielen während des Bürgerkriegs zweimal auf diesen Campus. Meine Betonmauern schützten die Mädchen zwar vor dem Tod, aber nur, weil keine Bombe direkt auf mich fiel. Beton ist diesen gewaltigen Sprengstoffen nicht gewachsen. Meine Tiefe kann mich jedoch vor Granatsplittern schützen. Ein junges Mädchen, dessen Schritte vor Panik zu gelähmt waren, um meine hohle Sicherheit zu erreichen, verlor durch das heiße, umherfliegende Metall ihr Bein.
Mehrere Bomben fielen auf den Campus. Eine landete nur einen Steinwurf von mir entfernt, explodierte aber nicht. Durch den Aufprall wurde sie etwa drei Meter tief in den Boden geschleudert. Dort liegt sie noch heute. Die Schulleitung hat die Regierung wiederholt angefleht: „Bitte kommen Sie und entfernen Sie diese Bombe oder entschärfen Sie sie zumindest.“ Trotz aller Bitten ist die Bombe immer noch da. Eine Bedrohung aus der Vergangenheit. Eine Gefahr für die 853 Mädchen, die auf dem Campus herumtollen.
Seit dem offiziellen Kriegsende sind Jahre vergangen. Die Antinovs fliegen nicht mehr über den Südsudan. Aber ich bin immer noch hier auf dem Campus, zusammen mit einem halben Dutzend anderer, für den Fall, dass wir wieder gebraucht werden. Die Konflikte im Südsudan dauern an, angeheizt durch Feindseligkeit, Betrug, Überschwemmungen und Hungersnöte, werden aber meist mit Waffengewalt und nicht mit Bomben ausgetragen.
Meine Leere wird im Moment nur von huschenden Ratten und gelegentlichen Schlangen gestört. Ich bin am glücklichsten, wenn ich leer bin.
COMMUNITY REFLECTIONS
SHARE YOUR REFLECTION
1 PAST RESPONSES
So powerful, so moving. Thank you.